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Bitte, Mutter, geh mit!

... Luise bebte am ganzen Körper. Ihr Herz hämmerte, als wenn es zerspringen wollte. Endlich überwand sie sich, stiess mit einem Ruck die Tür auf und trat in den Raum. Widerlicher Tabak- und Branntweingeruch drang ihr entgegen. Einige mehr oder weniger betrunkene Männer und Frauen standen oder sassen in Gruppen umher und starrten die Eintretende mit verwunderten Blicken an. Da stand auch Frau Merten, gegen die Theke gelehnt, mit einem grossen Glas Schnaps in der Hand. Ihre alte, verschlissene Mütze sass schief auf dem wirren, ungekämmten Haar; ihre Kleider hingen unordentlich um ihren abgemagerten Körper. Der Ausdruck ihres Gesichts war geradezu abstossend. Das einst so hübsche Gesicht war durch die Sucht entstellt. Die grossen, tiefliegenden Augen glühten wie in einem unheimlichen Feuer. Es war in der Tat nicht zu glauben, dass dieses unglückliche, tief gesunkene Geschöpf einst eine ehrbare, liebende Mutter und Gattin war.
Luise erschrak, als sie ihre Mutter sah. Ein einziger Blick zeigte ihr, in welch einem Zustand sich die Mutter befand. Einen Augenblick stand die Kleine unschlüssig und zögernd da. Aber dann dachte sie an den kranken Vater und das kleine Brüderchen. Heisse Tränen schossen ihr in die Augen. Ohne sich weiter zu besinnen, drängte sie sich durch die Männer und Frauen hindurch, ergriff ihre Mutter am Kleid und sagte, während sie sie flehentlich anblickte, in einem Ton, der das härteste Herz erweichen konnte: «O Mutter, komm nach Hause! Unser Vater ist krank! Bitte, Mutter, geh mit!» ...


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